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14. Februar: Winzerfest TRIFON SARESAN

Neben dem Valentinstag feiert man in Bulgarien am 14. Februar jeden Jahres das Frühlings-und Winzerfest TRIFON SARESAN - den Anfang des Rebenschnittes!

Am 14. Februar wird in Bulgarien der „TRIFON ZAREZAN“, der Tag des Winzers, gefeiert. Die meisten Feste zu Ehren des Weins in Bulgarien haben einen thrakischen Ursprung und wurden ursprünglich zu Ehren von Dionysos, dem Gott der Fruchtbarkeit und des Weines, gefeiert.

Die zweifelhafte Heiligkeit von Trifon Saresan!

Es ist ein Unterschied zwischen dem Hl. Thryphon, dem kanonisierten Heiligen, der am 1. Februar verehrt wird, dem Tag vor der Darstellung Christi im Tempel, und jenem Trifon, den das bulgarische Volk als den Heiligen und Beschützer der Winzer feiert.

Der Heilige Märtyrer Thryphon lebte im 3. Jh.n.Ch. im antiken Phygrien (heute Türkei). Tryphon war der Legende nach einfacher Gänsehirt, aber begabt mit der Gnade, alle Krankheiten zu heilen. Als er 17 Jahre alt war, konnte er auch die Tochter des Imperators Gordianus II. (238-244) kurieren. Unter Kaiser Decius (249-251) wurde Tryphon als Christ denunziert, schwer gefoltert und enthauptet. Nirgendwo in einer Überlieferung wird er jedoch mit Wein oder Weinbergen in Verbindung gebracht.

Der heilige Winzerpatron Trifon Saresan aus der bulgarischen Volksmythologie ist ganz offenkundig eine andere Person mit einer vollkommen anderen Lebensgeschichte, aber auch mit einem anderen Gemüt. In den folkloristischen Vorstellungen ist Trifon Saresan ganz und gar kein Märtyrer, sondern viel mehr ein schlechtgelaunter Mann, der sich selbst verkrüppelt. Der Legende zufolge machte sich die Mutter Gottes am 40. Tage nach der Geburt Jesu mit dem Christkind auf dem Weg zum Tempel zum reinigenden Gebet. Auf dem Wege dahin begegnete sie Trifon, der seinerseits gerade unterwegs zum Weinberg war, um seine Rebstöcke zu beschneiden. Sie grüßte ihn freundlich, wohingegen er, anstatt den Gruß höflich zu erwidern, sich über sie lustig machte mit den Worten „du Mutter eines Bastards“. Die Mutter Jesu setzte wortlos ihren Weg fort. Ein wenig später traf sie die Frau des Trifon und sagte ihr, sie möge sich beeilen, denn Trifon hätte sich die Nase abgeschnitten. Als die Frau den Weinberg erreichte, und ihren Mann in bester Gesundheit vorfand, erzählte sie ihm von ihrer Begegnung mit der Mutter Gottes.

Darauf erwiderte Trifon gereizt:
„Ich bin nicht betrunken und schneide mir die Nase ab. Ich schneide so, und nicht so!“

Und in diesem Augenblick schnitt er sich in der Tat die Nase ab!

Die Ethnologen gruben in den semantischen und strukturellen Schichten dieser Legende und entdeckten, dass unter dem christlichen Heiligengewand die hämisch grinsenden Gesichter mythischer Gestalten aus der thrakischen Antike hervorlugen.

Die Zwiespältigkeit der Rolle Trifons findet sich auch in der bulgarischen Ikonenmalerei wieder. Einige Ikonenmaler des 19. Jahrhunderts lassen Trifon, obwohl sie den kanonisierten Kirchenheiligen malten, ein Winzermesser halten, oder sie stellten ihn oftmals auch mit entstellter Nase dar. Der wahre Grund dafür, weshalb christliche Heilige auf solche Weise in heidnische Sujets der Antike verwickelt wurden, liegt offenbar im Wein. Im bulgarischen Fest des Weinbaus am Tag des Trifon Saresan klingen die rauschenden Dionysos-Mysterien nach, die einst an der Schwelle des Frühlings in unserem Landen gefeiert wurden.

Quelle: Bulgarisches Weinbuch, Yassen Borislavov, Trud Verlag Sofia 2006

Wie feiert man das Fest in Bulgarien?

Die Weinbauern ziehen morgens hinaus, um mit dem Beschneiden der Rebstöcke zu beginnen. Früh am Morgen des 14. Februar macht die Gastgeberin ein Ritual-Brot. Sie bereitet auch Huhn vor, das mit Reis gefüllt wird. In eine neue wollene Tasche werden Brot, das Huhn und der Wein gestellt. So gehen die Männer zu den Weinbergen. Wie jedes Fest wird es mit gutem Essen und Trinken, mit Musik, Tanz und Gesang begangen. An reich gedeckten Tafeln im Freien werden Lieder gesungen und rituelle Tänze aufgeführt, mit denen eine reiche Weinlese heraufbeschworen werden soll. Dies bezweckt auch das symbolische Begießen der Reben mit den besten Weinen aus früheren Jahren.

Besonders in Nordbulgarien wird auch ein „Winzerkönig“ gewählt und mit einem Kranz aus Rebzweigen gekrönt. Ihm wurde früher ein Jahr lang besondere Ehre zuteil, da man glaubte, dass von seinem persönlichen Wohlergehen bis zur Wahl seines Nachfolgers die Güte der herbstlichen Weinlese abhing. Außerdem verwahrte er für diesen Zeitraum die Ikone des Heiligen Trifon, des Schutzheiligen der Winzer.

Das Fest Trifon Saresan markiert auch die Trennlinie zwischen Winter und Frühling, einen Übergang von der stillen Winterzeit zu den belebenden Kräften der nächsten Jahreszeit.

Wir wünschen einen schönen VALENTINSTAG und ein schönes TRIFON SARESAN-Fest als eine alte Tradition der bulgarischen Winzer, die im jährlichen Zyklus der Natur den Triumph von Vitalität und Fruchtbarkeit darstellt !



14. Februar: Winzerfest TRIFON SARESAN

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